
OTTO BARTNING
Sternkirche, Modell
1922
Holz, Gips
42,5 x 80 x 79 cm
Schenkung, 2000
Die Sternkirche von Otto Bartning gehört zu den unbekannten Entwürfen der nicht gebauten expressionistischen Architekturen. Ein kristallines Siebeneck voller Kanten und geschwungenen Bögen eröffnet dem potentiellen Besucher eine Welt voller Symbolik und spiritueller Inhalte, die ohne Erläuterungen schwer erkennbar bleiben. Der neuen Bauform entspricht eine neue technische Konstruktion. Sinngemäß wächst der Bau von den Eingängen über Kanzel und Altar nach oben empor. Das Dachgewölbe wird von ineinander geflochtenen und über Kreuz ausgesteiften Bogenstellungen getragen, und alle statischen Kräfte werden in den Erdboden abgeleitet. Nicht vergleichbar mit anderen Architekten des Expressionismus, die ihre Bauten auf die reine Fantasie gründeten, war Bartning ein Pragmatiker, der auf umsetzbare Form, konstruktive Möglichkeiten und Sparsamkeit gleichermaßen setzte. Seine Notkirchen, die er als Typenbauten in der Nachkriegszeit tatsächlich realisierte, folgen, wenn auch in sparsamster Ausprägung, der Grundidee der Sternkirche, die ganz aus Holz hätte gebaut werden sollen.

