Jumana Manna, A Sketch of Manners (Alfred Roch's Last Masquerade), 2013, © Jumana Manna

Jumana Manna

12×12. Die IBB-Videolounge

A Sketch of Manners (Alfred Roch’s Last Masquerade), 2013

Ausgangspunkt für A Sketch of Manners war eine Schwarz-Weiß-Fotografie aus dem Jahr 1924, die während einer jährlich stattfindenden Maskerade-Party aufgenommen wurde. Auf dieser ist der palästinensische Politiker Alfred Roch mit zahlreichen Gästen in seinem Haus zu sehen. Sie posieren für eine Gruppenaufnahme, kostümiert als Pierrots. Die bourgeoise Szenerie erinnert unweigerlich an das Berlin der 1920er Jahre.
Als die palästinensische Künstlerin Jumana Manna das Bild entdeckte, war sie fasziniert von seiner Theatralität und der rätselhaften Darstellung von urbaner Modernität. Durch eine Re-Inszenierung der Fotografie schafft sie ein filmisches Tableau Vivant („lebendes Bild“), das uns einen Einblick in das mondäne Leben der palästinensischen Elite unter britischem Mandat gibt. Zusätzlich nimmt die Künstlerin eine Neuverortung des Geschehens in das Jahr 1942 vor. Durch die zeitliche Verschiebung gelingt es Manna, Palästina in ein neues Verhältnis zu den globalen Krisen dieser Zeit und ihrer Folgen zu setzen. Alfred Rochs letzte Maskerade verbildlicht unwissentlich eine Vorahnung der unsicheren Jahre, die Palästina bevorstehen.

A Sketch of Manners ist der erste Teil eines Projektes namens Imagined Cities, das die Geschichten Jerusalems und Los Angeles als verschiedene Arten des „gelobten Landes“ verbindet.

Blessed Blessed Oblivion, 2010

Blessed Blessed Oblivion ist eine Adaption von Kenneth Angers legendärem avantgardistischen Kurzfim Scorpio Rising aus dem Jahr 1963. Anger, US-amerikanischer Underground-Filmemacher, setzt in diesem Film in lose miteinander verknüpften Sequenzen Motorradrocker zum Teil homoerotisch in Pose. Manna greift Angers Kombination aus Collage und Soundtrack auf ironische Weise auf und entwirft ein Porträt von Kleinkriminellen in Ost-Jerusalem.
Ihre Kamera zeigt die Protagonisten während der Rasur beim Friseur, beim Bodybuilding und in der Autowerkstatt, wo Fachgespräche über die optimale Wachsschicht für das Gefährt geführt werden. Manna begreift diese Ausdrucksformen der Männer als eine dystopische Antwort auf den großen Druck, dem die (männliche) Jugend in Jerusalem ausgesetzt ist. Wenn die sorgfältig gepflegten Fahrzeuge in den Aufnahmen kaum bewegt werden, ist das auch ein subtiler Verweis auf die eingeschränkte Situation der Palästinenser in Ost-Jerusalem. Die vermeintlich gefährlichen Posen der jungen Männer haben den etablierten Machtstrukturen kaum etwas entgegenzusetzen.
In ihrer Darstellung von Vulgarität, Frauenfeindlichkeit und den verworrenen Hoffnungen auf ein Leben zwischen heroischem Widerstand und Kleinkriminalität beschönigt Mannas Arbeit nichts. Sie entwirft vielmehr ein zugleich schonungsloses und doch mitfühlendes Porträt dieser Subkultur aus weiblicher Perspektive.

The Umpire Whispers, 2010

In The Umpire Whispers untersucht Jumana Manna die Beziehung zwischen einer Athletin und ihrem Trainer sowie die aus ihrer Zusammenarbeit entstehende Intimität. Die Arbeit ist eng mit der Biografie der Künstlerin verknüpft: Als Teenager war sie Mitglied eines Schwimmteams und nahm an Wettbewerben teil. Ihr Trainer hatte die Angewohnheit, Manna und ihre Kolleginnen während Wettbewerben oder bei Muskelschmerzen zu massieren.
Für die Videoarbeit besucht Manna fünf Jahre nach dem Ende ihrer sportlichen Laufbahn ihren ehemaligen Trainer. Sie wiederholen das alte Ritual und Manna erwidert die Massage erstmals. In einem in warmes Licht getauchten Raum sehen wir Nahaufnahmen der beiden Körper, die den Betrachter die Intimität der Situation förmlich spüren lassen. Der körperliche Akt der Massage wird zu einer Reflektion über die unscharfe Grenze zwischen dem moralisch Vebotenem, dem Richtigen und dem Notwendigen.


Jumana Manna wurde 1987 in New Jersey, USA, geboren. Sie studierte in Jerusalem, Oslo und Los Angeles und befindet sich momentan als Stipentiatin des Künstlerhaus Bethanien in Berlin. Ihre Arbeiten waren bisher unter anderem bei der 11. Sharjah-Biennake, in der Kunsthall Oslo, Norwegen, dem Kalmar Konstmuseum, Schweden, der Kunsthal Charlottenberg, Dänemark, der ifa-Galerie, Stuttgart sowie auf verschiedenen Filmfestivals zu sehen. 2012 erhielt sie den Young Palestinian Artist Award von der A. M. Qattan Stiftung.

 

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