Flic Flac - Kunst aus Berlin

Sammlungspräsentation

Die neue Ausstellung der Sammlung der Berlinischen Galerie zeigt nicht nur neue, noch nie vorgestellte bzw. neu erworbene Kunstwerke, sondern präsentiert sich auch in neu gestalteten Räumen. Auf der unteren Ebene wurde ganz auf Stellwände verzichtet und in der oberen Etage gibt es eine neue Raumorganisation. Zudem werden nicht nur – wie auch sonst – die unterschiedlichen Kunstarten miteinander in Beziehung gesetzt, sondern darüber hinaus wird auch noch auf eine chronologische Anordnung verzichtet. Hin und zurück springt die Zeit – flic flac – hin und her überkreuzen sich Stile und Kunstsprachen. Um alldem dennoch eine Ordnung zu geben, sind die einzelnen Sektionen thematisch sortiert. Es gibt zwei Ordnungen. Die übergeordnete gliedert die gesamte Ausstellung nach drei Hauptthemen, die zu den zentralen Fragestellungen und Errungenschaften des 20. Jahrhunderts gehören:

Realismen – Fragmentierungen – Entgrenzungen

Die Realismen umfassen sowohl expressive als auch neusachliche oder kritisch realistische Kunstwerke. Diese wurden in thematische Bereiche nach dem Menschenbild, dem Lebensraum und dem Stillleben untergliedert.

Das Fragment zeigt sich in vielen neuen Kunstsparten des Jahrhunderts, in der Fragmentierung des Körpers, der Fragmentierung der Sprache, der Collage, Montage und Asemblage sowie bei der Zitierfreudigkeit der Künstler dieser Zeit. Dadaiismus, Surrealismus und vieles mehr sind Ausdruck für die Zerschlagung des ganzheitlichen Weltbildes. Nicht nur die verheerenden Kriege waren dafür verantwortlich, auch die Errungenschaften der Wissenschaft, die Entdeckung der Relativitätstheorie durch Einstein oder der Existenzialismus und Nihilismus traten in den Vordergrund, verunsicherten die Menschen und beeinflussten die Kunst. Die gesamte Wahrnehmung des Menschen veränderte sich. Die Geschwindigkeit des Lebens färbte ab auf die Kunst. Kunst und Leben sollten Synonyme werden. Beides ließ sich nicht mehr als Teil eines großen Ganzen erleben, sondern nur noch im Anschnitt, im Fragment. Auch die Reflexion des politischen Geschehens äußerte sich derart, etwa beim „Non War Memorial“ von Ed Kienholz, das sich auf den Vietnam-Krieg bezieht, oder in der Ansammlung der Fundstücke von Raffael Rheinsbergs „Einreise“. In den Lautgedichten der Dadaisten wird Realität/Sprache ebenso zerstückelt wie in Vostells Décollagen oder Martin Riches “Motor-Mouth“. Der sinnvolle Satz wird zum Gestammel, Sprachsalat tritt an die Stelle von scheinbaren Gewissheiten. Junge Künstler, wie Adib Fricke, erfinden eine eigene, abstrakte Sprache.

Schließlich ist die Überschreitung von Grenzen aller Art ein Charakteristikum der Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Skulptur besteht nicht mehr aus Masse und Volumen, sondern wird in den Raum umschreibende Linien und Flächen aufgelöst, bei Gabo, Uhlmann und Rickey zum Beispiel. In ausladenden Installationen werden auch räumlich die Grenzen des traditionellen Kunstwerkes überschritten. Serien treten an die Stelle des Einzelwerkes. Auch der Gegenstand verschwindet zusehends und die Gestaltung der Künstler richtet sich auf das Geistige bis hin zur Transzendenz. Im kleinformatigen Detail kann eine ganze Welt entdeckt und zum Monument erhoben werden. Monumentalität äußert sich daher nicht in Umfang und Größe allein (z.B. in den Fotos von Ulrich Wüst).

Die von uns zusammengeführten Begegnungen von Kunstwerken aller Art stellen nur ein Denk- oder Sichtweisenangebot von möglichen anderen dar, fordern dazu auf, die Vielseitigkeit und Lebendigkeit der altbekannten oder auch neuen Arbeiten zu entdecken. Manches Kunstwerk könnte auch in mehreren Bereichen fungieren. Die Durchlässigkeit und Transparenz unseres Hauses fordert geradezu dazu auf, diese Verknüpfungsmöglichkeiten auszuprobieren und die Kunstwerke jenseits von alteingesessenen Sehgewohnheiten neu zu entdecken.

 

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