Credit: Christian Jankowski: Der Wille des Kurators, 2011, © Foto: Noshe

Christian Jankowski. Der Wille des Kurators

IBB-Videolounge

In der Berlinischen Galerie zeigt Christian Jankowski ein Screening von drei Filmen aus den Jahren 2008   und 2010 und integriert diese Filme in eine speziell für das Museum entwickelte Arbeit mit dem Titel "Der Wille des Kurators". Dieser Titel bezieht sich einerseits auf seine drei präsentierten Videoarbeiten, in denen der Kurator stets ein zentraler Protagonist ist. Zugleich verweist er damit auf die Rolle, welche die Kuratorin des Videoraums in der Berlinischen Galerie, Christina Landbrecht, in der neuen Arbeit einnimmt.
Das Einbeziehen all derer, die mit dem Künstler an einer Ausstellung arbeiten, hat in Jankowskis Werken durchaus Tradition: Seine Filme sind oft an Prozesse gebunden, die die Arbeit an und mit der Kunst offenlegen, sie analytisch abbilden und am Ende zu einem eigenständigen Werk werden lassen.
Die Rolle des Kurators ist in allen Filmen maßgeblich für den Verlauf und den Ausgang des Geschehens. Er kann jederzeit in das Projekt eingreifen, es boykottieren oder aber enthusiastisch daran teilnehmen und sich einbringen. Jegliches Handeln fließt als Information in Jankowskis Arbeit ein. Der (gute) Wille des Kurators, an der Entstehung eines Kunstwerks zu partizipieren, war und ist somit ein Garant und Motor einer Vielzahl seiner Filme. 

The Perfect Gallery (2010)

In "The Perfect Gallery" ergriff der Künstler die Gelegenheit, sich mit der Frage nach dem perfekten Raum für zeitgenössische Kunst auseinanderzusetzen. Weil die Räumlichkeiten der Londoner Pump House Gallery in keiner Weise den Anforderungen entsprachen, welche aktuelle Kunstpräsentationen an einen Ausstellungsort stellen, ließ er sie grundlegend umbauen. Jedoch bestimmte nicht Christian Jankowski die Details des Umbaus, sondern übertrug dem Innenarchitekten Gordon Whistance, bekannt als Stilberater einer britischen Reality-Fernsehshow für Wohnungsumbauten, die Vollmacht, räumliche Veränderungen für das gesamte Ausstellungshaus zu entwickeln. Die Skepsis der Kuratorin, Sandra Ross, gegenüber diesem rigorosen Eingriff sowie der Wahl des Architekten und die Ungewissheit, was Jankowski eigentlich in ihrer Ausstellung präsentieren will, ist über weite Strecken des Films nicht zu übersehen. Ihr Vertrauen in das Projekt und die Ideen des Künstlers garantiert jedoch einen reibungslosen Ablauf.
Am Ende des Bauprozesses aber steht keine - wie von Ross und Whistance erwartete - Übersicht bestehender Werke des Künstlers, sondern der leere Ausstellungsraum selbst als Skulptur im Mittelpunkt. Die neue, repräsentative Eingangssituation, eine geschossübergreifende Schauwand und optimale Licht- sowie Proportionsverhältnisse sollen die Besucher spüren lassen, welchen Einfluss der Raum auf die Betrachtung von Kunst ausübt. Die Ideologie des White Cube spielt darin eine wichtige Rolle, sie wird jedoch unterhaltsam, wie es für das Fernsehen üblich ist, in den Film eingewebt.  

Tableau Vivant (2010)

"Live from the inside" ist das Motto der Arbeit "Tableau Vivant", die für die 17. Biennale in Sydney entstand. Fernsehjournalisten begleiteten hier die Entstehung von Jankowskis Beitrag zur Großausstellung. Dazu berichten sie vor dem Hintergrund von "Tableaux Vivants", das heißt bühnenbildartigen Hintergrundszenen bestehend aus all jenen realen, jedoch zum Standbild eingefrorenen Akteuren, die für die Ausstellung arbeiteten. Wichtige Etappen des künstlerischen Projektes werden damit sprichwörtlich ins Bild gesetzt. Der Künstler selbst nimmt außerdem eine zentrale Rolle ein: Er lässt den Zuschauer teilnehmen an der Ausarbeitung und Umsetzung seiner Idee sowie an der Präsentation des finalen Kunstwerks. Mit der Einwilligung des künstlerischen Leiters, David Elliott, das Projekt zu unterstützen, erhält Jankowski die Möglichkeit, die Zeit der rasanten Biennalevorbereitungen in einem entscheidenden Moment für einen Augenblick anzuhalten: Kurz vor der Eröffnung sind die Anspannung und der Zeitdruck zwar am größten, die regungslose Präsenz der Akteure verschärft jedoch die Reflektion des Geschehens durch die Fernsehjournalisten und damit unseren Blick auf das Dargestellte.

Dienstbesprechung (2008)

In "Dienstbesprechung" plant Christian Jankowski seine Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart unter neuen Voraussetzungen. Dafür ruft er mittels einer Tombola zu einem, alle Abteilungen übergreifenden Rollentausch auf. Das Schicksal legt daraufhin die Ausstellungsplanung nicht in die Hände der Kunsthistoriker, sondern überlässt die kuratorischen Ideen denjenigen, die normalerweise für den Aufbau von Ausstellungen oder für die Bewachung des Museums zuständig sind. Für die Ausstellung stellen sich mit dem Willen des neuen Kurators gleichzeitig ganz neue Fragen: Wie wäre es mit einem kuratorischen Einschub in die Einzelausstellung, indem man Werke eines anderen Künstlers mit denjenigen Jankowskis kombiniert?
Dienstbesprechung untersucht unter Anderem was passiert, wenn ein künstlerisches Konzept sich den Wünschen eines Kurators unterordnet.

 

Berlinische Galerie

Landesmuseum für Moderne
Kunst, Fotografie und Architektur
Stiftung Öffentlichen Rechts

Alte Jakobstraße 124–128
10969 Berlin

www.berlinischegalerie.de
bg(at)berlinischegalerie.de

Facebook

Tel +49 (0)30-789 02-600
Fax +49 (0)30-789 02-700

Öffnungszeiten

Mittwoch–Montag 10:00–18:00 Uhr
Dienstag geschlossen
Wegen Sanierung ab 01.07.2014 vorübergehend geschlossen

Orientierungsplan

Plan als PDF

 
 
 
Copyright © 2011 Berlinische Galerie. Alle Rechte vorbehalten.