Acht Stunden zählen, © Ignacio Uriarte, Grafik Thoma+Schekorr

Ignacio Uriarte

Acht Stunden zählen

Ignacio Uriarte hat für den Windfang der Berlinischen Galerie eine neue Soundinstallation entwickelt. In diesem Werk setzt er seine Auseinandersetzung mit den Themen Arbeit und Zeit fort, die sein bisheriges Schaffen prägt und sich auch aus seiner Biografie entwickelt hat: Uriarte studierte zunächst Wirtschaftswissenschaften und arbeitete bei verschiedenen großen Konzernen, bevor er sich der Kunst widmete.

Die Routinen des Büroalltags sind ein zentrales Thema seiner Arbeit. Diese sollen eigentlich zu einer größtmöglichen Effizienz führen, bewirken dabei jedoch allzu häufig das Gegenteil: Die Routine führt zu Langeweile und ermöglicht einen kleinen Freiraum für kreative Ausflüchte. Das bekannsteste Beispiel hierfür sind Kritzeleien, die beispielsweise während Telefonaten entstehen und die Uriarte in seinen „Xonox scribblings“ (2008) aufgreift und in eine serielle Arbeit überführt. Er arbeitet häufig mit einfachen Büromaterialien wie Din A 4-Kopierpapier, Druckerpatronen und Kugelschreibern und zitiert durch die klare Strukturierung seiner Arbeiten und den weitgehenden Verzicht auf einen subjektiven künstlerischen Gestus die Minimal Art der 1960er Jahre.
In der für die Berlinische Galerie neu geschaffenen Klanginstallation im Eingangsbereich des Museums ist die monotone Stimme eines Mannes zu hören, der acht Stunden lang konstant zählt. Maßeinheit sind dabei bemerkenswerterweise Silben: Jeder Silbe wird eine Sekunde gewidmet, wodurch der deutsch sprechende Zähler im Laufe von acht Stunden bis zur Zahl 3599 gelangt. Uriartes Installation verweist so nicht nur auf jene Zeitspanne, die ein typischer Arbeitstag umfasst und die zugleich der täglichen Öffnungszeit des Museums entspricht. Sie reflektiert auch den Zusammenhang zwischen Zeit als abstrakter Größe und Sprache als Möglichkeit, diese zu gliedern und definieren.

Ignacio Uriarte wurde 1972 in Krefeld geboren. Er studierte von 1992-1995 in Mannheim und Madrid Business Administration sowie von 1999-2001 Audiovisuelle Kunst am Centro de Artes Audiovisuales in Guadalajara, Mexiko. Seine Arbeiten waren bisher unter anderem im Museum Ludwig, Köln; dem Utah Museum of Contemporary Art und The Drawing Center, New York zu sehen. Er lebt und arbeitet in Berlin.


Realisierung mit freundlicher Unterstützung der Ilse-Augustin-Stiftung

 

 

 

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