Ernst Ludwig Kirchner: Frauen auf der Straße, 1915, Von der Heydt- Museum Wuppertal, © erloschen

Wien Berlin
Kunst zweier Metropolen

Von Schiele bis Grosz

Die Berlinische Galerie und die Österreichische Galerie Belvedere präsentieren in einer großen Sonderausstellung erstmals gemeinsam zentrale Werke der Wiener und Berliner Moderne von den Sezessionen über den Expressionismus bis hin zur Neuen Sachlichkeit. Meisterwerke beider Sammlungen und bislang weniger beachtete Positionen geben im Zusammenspiel einen umfassenden Einblick in den intensiven Austausch beider Metropolen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Während die künstlerischen Beziehungen in den Bereichen Literatur, Theater und Musik bereits weitgehend bekannt sind, widmet sich die Ausstellung mit rund 200 Exponaten dem bislang nicht aufgearbeiteten Dialog Wiener und Berliner Positionen der Klassischen Moderne in der Bildenden Kunst. Ausgangspunkt sind die Gründungen der Sezessionen, deren Protagonisten sich in Abkehr vom Akademismus zwischen Jugendstilkunst und Spätimpressionismus bewegen. Der Aufbruch in die Moderne zeigt sich auf beiden Seiten in der Suche nach neuen Ausdrucksmitteln. Doch während sich die Berliner Sezessionisten um Max Liebermann zunehmend der Alltagswirklichkeit widmen und die Erfahrung der Großstadt thematisieren, dominiert bei den Wiener Stilkünstlern um Gustav Klimt und Koloman Moser die ornamentale Form, häufig in Verbindung mit einer symbolistischen Bildsprache. Zahlreiche Ausstellungen jener Zeit zeugen allerdings von stetem Austausch und gegenseitiger Kenntnisnahme.

Mit der jüngeren Generation der Expressionisten, vertreten unter anderem durch Ernst Ludwig Kirchner verdrängt das aufstrebende Berlin im Verlauf der 1910er Jahre die Donaumetropole Wien zusehends aus ihrer Rolle als führende Kunststadt. Junge österreichische Künstler wie Oskar Kokoschka und Egon Schiele treten aus dem Schatten Klimts und werden mit ihrer avantgardistischen Kunst in Berlin einem aufgeschlossenerem, aber auch kritischen Publikum bekannt gemacht. Kunsthändler und Publizisten wie Paul Cassirer, Herwarth Walden oder Karl Kraus sind in der Kunstwelt beider Städte gleichermaßen zuhause und knüpfen ein enges Netzwerk, über das vor allem nach dem Ersten Weltkrieg zahlreiche Künstler nach Berlin kommen.

Der Untergang der Donaumonarchie nach dem Ersten Weltkrieg sowie der Tod wichtiger Künstler wie Egon Schiele und Gustav Klimt lassen die Wiener Kunstwelt in den 1920er und 1930er Jahren aus dem Fokus der internationalen Wahrnehmung verschwinden. Während sich Dada, Verismus und Neue Sachlichkeit in Berlin offensiv mit der neuen politischen und gesellschaftlichen Lage auseinandersetzen, geschieht dies in der österreichischen Metropole nur vereinzelt.

Zugleich entwickeln sich in Wien völlig eigenständige Phänomene wie der Kinetismus, der in utopischen Weltentwürfen eine avantgardistische Bildsprache zur Anwendung bringt. Bislang zu Unrecht wenig beachtet wurde außerdem die spezielle österreichische Interpretation der Neuen Sachlichkeit. Sie weist Verbindungen zu den Berliner Werken eines Otto Dix oder George Grosz auf, steht aber gleichermaßen in der Wiener Tradition psychologisierender Kunst.

Die von Friedrich Kiesler organisierte „Internationale Ausstellung neuer Theatertechnik“ lässt die Donaumetropole 1924 wieder zu einem  Anziehungspunkt der Avantgarde werden. Mit dem Ausstellungsmacher und Kunsthistoriker Hans Tietze wird schließlich eine historische, hierzulande fast unbekannte Persönlichkeit gewürdigt, dessen Aufforderung zur „lebendigen
Kunstwissenschaft“ die Schau „Wien Berlin. Kunst zweier Metropolen“ inspiriert hat.

Künstler (Auswahl)
Hans Baluschek, Max Beckmann, Otto Dix, George Grosz, Carry Hauser, Raoul Hausmann, Hannah Höch, Ernst-Ludwig Kirchner, Erika Giovanna Klien, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Broncia Koller-Pinell, Max Liebermann, Jeanne Mammen, Ludwig Meidner, Koloman Moser, Max Oppenheimer, Emil Orlik, Christian Schad, Egon Schiele, Max Slevogt.

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Begrüßung zur Austellung, © Acoustiguide GmbH
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Zur Ausstellung, © form-art.tv

Ausstellungskatalog
Zur Ausstellung erscheint ein gebundener Katalog im Prestel Verlag. Der Katalog widmet sich den künstlerischen Umbrüchen in Wien und Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Zwischenkriegszeit. Er dokumentiert den Austausch und die gegenseitige Wahrnehmung der Künstler in den so unterschiedlichen Metropolen.

392 Seiten, 300 farbige Abbildungen, Museumsausgabe 39,80 Euro, im Buchhandel 49,95 Euro

Multimediaguide
Ein zweisprachiger Multimediaguide (deutsch/englisch) zur Ausstellung bietet vielfältige akustische und visuelle Zusatzinformationen und nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise. Der zusätzliche Audioguide ist auf die besonderen Bedürfnisse von blinden und sehbehinderten Besuchern zugeschnitten und ermöglicht ein barrierefreies Ausstellungserlebn.

Länge: 60 Minuten, Sprachen: Deutsch, Englisch; Leihgebühr: 2 Euro zzgl. Eintritt

App
Zur Ausstellung gibt es eine kostenlose App im Store von Google Play und iTunes. Sie gibt Empfehlungen zu Restaurants, Cafés und Hotels sowie Tipps für den Abend. Neben Videos bietet die App auch ein Ratespiel zur  „Griaslersprache“  - der Wiener Gaunersprache um 1900. Zur App gelangen Sie hier.

Museumskoffer für Familien

Der Museumskoffer lädt Kinder und ihre Familien ein, die Ausstellung „Wien Berlin“ gemeinsam zu entdecken und im Spiel kreativ zu werden. Kostenfreie Ausleihe gegen Pfand an der Museumskasse. Nähere Informationen finden Sie hier.

 

Angebot für blinde und seheingeschränkte Besucher
Die Ausstellung „Wien Berlin" wird zu einem Erlebnis mit allen Sinnen. Mit Hilfe von tastbaren Reliefs, Ausstellungsplänen in Groß- und Brailleschrift, Bodenleitlinien, die in den Rundgang integriert sind, sowie einem Audioguide ist sie auch für seheingeschränkte Besucher erfahrbar. Weitere Informationen zum Angebot für blinde und sehbehinderte Besucher zur Ausstellung Wien Berlin finden Sie hier.

 

Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen der Österreichischen Galerie Belvedere und der Berlinischen Galerie. Sie steht unter der Schirmherrschaft von Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, und erfolgt mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin und der Kulturstiftung der Länder.


 

Kooperations- und Medienpartner

 

Berlinische Galerie

Landesmuseum für Moderne
Kunst, Fotografie und Architektur
Stiftung Öffentlichen Rechts

Alte Jakobstraße 124–128
10969 Berlin

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bg(at)berlinischegalerie.de

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Fax +49 (0)30-789 02-700

Temporär Geschlossen

Wegen Sanierung vorübergehend geschlossen, Wiedereröffnung im Frühjahr 2015

Eröffnung

23.10.2013 um 19:00 Uhr

 
 
 
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