Heinrich Zille, Handstand machende Jungen an einem Sandhang, Sommer 1898
Heinrich Zille, Handstand machende Jungen an einem Sandhang, Sommer 1898

Heinrich Zille

Handstand machende Jungen an einem Sandhang, Sommer 1898

Heinrich Zille ist als Zeichner und Grafiker bekannt, der mit sozialkritischem Blick und Berliner Sprachwitz das Milieu der „kleinen Leute“ von Berlin schildert. Durch den sensationellen Fund von Originalabzügen und Glasplattennegativen in seinem Nachlass wurde er 1966 auch als Fotograf entdeckt. Als gelernter Lithograf arbeitete Zille von 1877 bis 1907 bei der „Photographischen Gesellschaft“, einem Unternehmen für fotografische Reproduktion. Er konnte die Apparate sowie das Labor der Firma für seine eigenen Aufnahmen nutzen, die er selber allerdings nie veröffentlichte. Im Sommer 1898 entstand das Bild Handstand machender Jungen an der Kante eines Sandhanges. Der vierte von links ist Zilles Sohn Hans. Bewusst oder unbewusst, nimmt der Fotograf Heinrich Zille durch die extreme Untersicht das „Neue Sehen“ der zwanziger Jahre bereits vorweg. Gelten seine Zeichnungen heute in ihrer bildlichen wie sprachlichen Drastik als klassische Großstadtkunst, so sind seine Fotografien rare Dokumente großstädtischen Lebens und bemerkenswerte Zeugnisse einer frühen Moderne. 

Im Jahre 1987 gelang es der Berlinischen Galerie, sich den gesamten fotografischen Nachlass von Heinrich Zille zu sichern – ungefähr 600 Aufnahmen, bestehend aus alten Kontaktabzügen und Original-Glasnegativen. Nach Archivierung und gründlicher Erforschung dieses Zille-Schatzes wurde der gesamte Bestand in der Publikation „Heinrich Zille. Photograph der Moderne. Verzeichnis des photographischen Nachlasses“ 1995 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Handstand machende Jungen an einem Sandhang, Sommer 1898
Silbergelatinepapier
20,7x26,2 cm, Neuprint Michael Schmidt 1988/89

Erworben aus Mitteln der Pressestiftung Tagesspiegel 1988/89
© erloschen
© Reproduktion: Kai-Annett Becker

 
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