Erich Heckel, Selbstbildnis mit Modell, 1916
Erich Heckel, Selbstbildnis mit Modell, 1916

Erich Heckel  (1883 -1970)

Selbstbildnis mit Modell, 1916

1916 war Erich Heckel in Flandern als Sanitäter stationiert. Doch die häuslich intime Szene, die er für sein Selbstporträt gewählt hat, enthält keinen Hinweis auf den Ersten Weltkrieg. Papier und Stift zur Hand, sitzen er und seine Frau, Sidi Riha, während eines Heimaturlaubs in ihrer Berliner Wohnung zu Tisch. Sein Gesicht mit der auffallend hohen Stirn zeigt einen asketisch entrückten Ausdruck voller Nachdenklichkeit und Schwermut. Die Hinwendung zum Privaten, zum geistigen Innenraum, die aus dieser Selbstdarstellung spricht, kennzeichnet Heckels Kunst seit seiner Übersiedlung von Dresden nach Berlin 1911. Gleichzeitig wurden seine Kompositionen strenger, seine Farben gedämpfter. Auch bei diesem bildmäßig durchgearbeiteten Aquarell heben sich nur wenige farbige Akzente aus den Braun- und Ockertönen hervor. Ein bunt gestreifter Wandbehang akzentuiert den Hintergrund und wird von einer kleinen, gelben Aktskulptur flankiert. Sie zeugt von Heckels Auseinandersetzung mit außereuropäischer Kunst, die sich auch in der überproportionalen Betonung seines Kopfes und den maskenhaften, eckigen Zügen seines Gesichts widerspiegelt.

Selbstbildnis mit Modell, 1916


Gouache, Wachsstift auf Ingrespapier

51,8 x 38 cm

Erworben aus Mitteln der Stiftung DKLB und des Senators für Wissenschaft und Kunst, Berlin, 1976

© Nachlass Erich Heckel, D-78343 Hemmenhofen

 
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