Werner Heldt, 
Aufmarsch der Nullen (Meeting)
, um 1933/1934
Werner Heldt, 
Aufmarsch der Nullen (Meeting)
, um 1933/1934

Werner Heldt

Aufmarsch der Nullen (Meeting), 
um 1933/1934

Beunruhigt beobachtete Werner Heldt in den späten 20er Jahren das Anwachsen politischer Massenbewegungen, Werte wie persönliche Freiheit sah er bedroht. Bereits im Frühjahr 1933 floh er vor der an die Macht gekommenen nationalsozialistischen Bewegung nach Mallorca. Dort, im Exil, beschäftigte ihn das Thema „Masse“ mit neuer Dringlichkeit. Überliefert sind ein umfangreicher Aufsatz und einige Zeichnungen, zu denen auch das „Aufstand der Nullen“ bzw. „Meeting“ betitelte Blatt gehört. 
Heldt hat hier, eingezwängt zwischen den Häuserschluchten einer Großstadt, eine unüberschaubar große Menschenmenge dargestellt und dabei für die Masse eine ebenso eindeutige wie radikal einfache Bildformel gewählt: Monoton aneinandergereihte Nullen füllen einen großen Teil des Bildes. Nur schwarze und weiße Flächen, die als Fahnen und Transparente erkennbar sind, setzen in dem einförmigen Muster Akzente. In ihrer Gleichförmigkeit entsprechen die Nullen der anonymen Gesichtslosigkeit und Selbstaufgabe des Einzelnen in der Masse: „Jeder ist wie der andere und keiner ist er selbst“ (Martin Heidegger). In ihrer lückenlosen Reihung gleichen sie einer elementaren Naturgewalt, die unaufhaltsam alles mit sich zu reißen und zu vernichten droht.

Aufmarsch der Nullen (Meeting)

um 1933/1934

Kohle auf Bütten

47 x 63,3 cm 

Erworben aus Mitteln der Stiftung DKLB und aus Mitteln des Senators für Wissenschaft und Kunst, Berlin 1975

© VG Bild-Kunst, Bonn 2011
© Reproduktion: Kai-Annett Becker

 
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