Dieter Urbach, Marx-Engels-Platz, Blick vom Fuß des Fernsehturms auf Palast der Republik, 1973, (c) Dieter Urbach

Kunst auf Lager

Restaurierte Bildcollagen zu DDR-Architekturentwürfen der 1970er-Jahre

Wie alle Museen besitzt die Berlinische Galerie weit mehr Objekte, als sie jemals ausstellen kann. Dass Kunstwerke im Depot lagern und nicht ausgestellt werden, kann viele Gründe haben. Ein wesentliches Kriterium dafür ist deren Zustand. Manche Werke müssen restauriert werden, bevor sie gezeigt werden können.

Das Stiftungsbündnis "Kunst auf Lager" hat dieses Problem zu seinem Anliegen gemacht und fördert deshalb die Erschließung und den Erhalt von Museumsbeständen. Im Rahmen dieser Initiative erhielt die Berlinische Galerie Fördergelder von der Kulturstiftung der Länder, wodurch ein bedeutender Bestand der Architektursammlung restauriert werden konnte.

Es handelt sich um 18 Schaubilder von Entwürfen renommierter DDR-Architekten aus den 1970er-Jahren. Diese zeigen Architekturideen für den Aufbau des Ost-Berliner Zentrums zur Hauptstadt der DDR in ungewöhnlich räumlicher und lebensnaher Darstellung. Die fragilen Collagen lagerten fast 40 Jahre im Verborgenen und konnten erst durch die Unterstützung der Kulturstiftung der Länder umfangreich restauriert und damit wieder öffentlich zugänglich gemacht werden. Eine Auswahl dieser Werke ist in der Sammlungspräsentation „Kunst in Berlin 1880-1980“ ausgestellt.

Der Architekt und Grafiker Dieter Urbach (geboren 1937 in Beutnitz-Crossen) erstellte die Collagen im Auftrag renommierter DDR-Architekten, wie zum Beispiel Heinz Graffunder oder Josef Kaiser. Von der Freiraumgestaltung vor dem Fernsehturm bis zum 2008 abgerissenen Großen Saal im Palast der Republik und dem – nach der Wende ebenfalls zerstörten – Palasthotel dokumentieren sie wichtige Ost-Berliner Großbauvorhaben der Nachkriegsmoderne. Die Collagen entstanden unter Einsatz vieler verschiedener Materialien. Urbach verwendete eigens aufgenommene Fotografien sowie Ausschnitte aus Zeitschriften, Tusche- und Bleistiftzeichnungen, Airbrush und Deckweiß. Entsprechend vielfältig waren die Schadensbilder. Insbesondere das Altern der verwendeten Klebstoffe und Fotopapiere hatte die Werke beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen.

Unmittelbar nach ihrer Entstehung wurden die Bilder führenden Vertretern der damaligen SED-Regierung in der Hoffnung präsentiert, die Einwilligung für die Planungsausführung zu erhalten. Aufgrund ihrer leichten Lesbarkeit und ihrer Aufbruch vermittelnden Motivik wurden Urbachs Collagen im Anschluss zudem medial verwertet: Reproduktionen wurden in Bauausstellungen gezeigt und in der Tages- und Fachpresse publiziert. Urbachs idealisierte Stadtansichten zeigen die Wunschvorstellungen und Planungsziele für Ost-Berlin besonders anschaulich und nachvollziehbar. Sie illustrieren beispielhaft das damalige Verständnis der DDR-Architekten von repräsentativer Bauweise. Ihre historische Bedeutung liegt darin, dass fotorealistische Raumdarstellungen von Planungsvorhaben aufgrund ihrer damals aufwändigen manuellen Herstellung verhältnismäßig selten angefertigt wurden. Rückblickend kann Urbachs Verfahren als Vorläufer der heute in der Bauplanung gebräuchlichen 3D-Animationen und fotorealistischen Renderings angesehen werden.

Weitere Informationen zu "Kunst auf Lager"

Dieter Urbach, Panorama, Marx-Engels-Platz, Dom, Fernsehturm, 1972, Silbergelatinepapier, Bildcollage auf Hartfaser/ Karton, © Dieter Urbach
Dieter Urbach, Roland Korn, Ferienhotel / FDGB-Heim, Ort unbekannt, 1974, Silbergelatinepapier, Bildcollage auf Hartfaser/ Karton, © Dieter Urbach
Dieter Urbach, Marx-Engels-Platz, Blick von Osten auf Palasthotel und Dom, 1977, Silbergelatinepapier, Bildcollage auf Hartfaser/ Karton, © Dieter Urbach
Dieter Urbach, Marx-Engels-Platz, Palast der Republik, Staatsratsgebäude, 1973, Silbergelatinepapier, Bildcollage auf Hartfaser/ Karton, © Dieter Urbach
Dieter Urbach, Haus der Presse, Berlin, 1970er, Silbergelatinepapier, Bildcollage auf Hartfaser/ Karton, © Dieter Urbach
Dieter Urbach, Palast der Republik, Innenraumbespielung, Berlin, 1974, Silbergelatinepapier, Bildcollage auf Hartfaser/ Karton, © Dieter Urbach

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