Micha Ullman, Zvi Hecker, Eyal Weizmann: Blatt, 1997, Foto: Jason Kassab-Bachi, © Micha Ullmann, Zvi Hecker, Eyal Weizmann

Micha Ullman (* 1939) / Zvi Hecker (* 1931) / Eyal Weizmann (* 1970)
Blatt, 1997


In der Lindenstraße (heute Axel-Springer-Straße) 48-50 stand die 1891 erbaute Liberale Synagoge, die am 9. November 1938 in Brand gesteckt, teilweise zerstört und 1956 abgerissen wurde. Die heutige Gedenkstätte ist einer Wettbewerbsinitiative der Barmer Ersatzkasse zu verdanken. Die schlichten Bänke, deren Position exakt ihrer Anordnung im Grundriss der Synagoge entspricht, symbolisieren eine Seite, ein „Blatt“ aus dem Gebetbuch. Wie im Text des Talmuds treffen sich mehrere Zeitschichten: in den Bänken selbst tritt die Vergangenheit auf; in den Büschen und Bäumen, von denen sie überwachsen werden, die Zerstörung dieser Vergangenheit, in der Feuerwehrzufahrt, die sich hindurch schlängelt, die Gegenwart in Gestalt der Berliner Bauordnung – eine  Erzählung von Verlust.

Blatt
1997
Bänke aus Beton
je ca. 50 cm hoch, Gesamtfläche 3000 x 2000 cm
Barmer Ersatzkasse
Mahnmal begehbar Mo – Do 6 bis 18 Uhr, Fr 6 bis 15 Uhr

 
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