Boris Mikhailov, Aus der Serie: Case History, 1997/98
Boris Mikhailov, Aus der Serie: Case History, 1997/98

Boris Mikhailov

Aus der Serie: Case History, 1997/98

Boris Mikhailov wurde 1938 in Kharkov, damals noch ein Teil der UdSSR, geboren und gilt heute international als einer der angesehensten Künstler der zeitgenössischen Fotografie. Seit dem Ende der 1960er Jahre, nachdem er seinen Beruf als technischer Ingenieur aufgegeben und sich ganz der Fotografie gewidmet hatte, entwickelte er parallel zur konzeptuellen sowjetischen Kunst eine mitunter spielerische, jedoch die gesellschaftlichen Verhältnisse stets kritisch reflektierende Bildsprache. 1996 kam er mit einem Stipendium nach Berlin. Er lebt heute in Kharkov und Berlin.

In seiner großen, etwa 400 Bilder umfassenden Fotoserie Case History hat Boris Mikhailov nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion begonnen, die Obdachlosen in Kharkov zu porträtieren. Seine Fotografien präsentieren die Dargestellten in ungeschönten Alltagssituationen und oft mit entblößten Körpern, um so ihre Wunden, Verletzungen und Narben für den Betrachter sichtbar zu machen. Für die Darstellung seiner „Modelle“ griff er immer wieder auf bekannte Vorbilder der Malerei zurück – in diesem Fall zeigt er den Liegenden in der Tradition Giorgiones. Case History ist eine Arbeit über diejenigen, die nach Glasnost am tiefsten gefallen sind.

Aus der Serie: Case History, 1997/98
Colorprint
60 x 40,2 cm
Erworben im Rahmen der Künstlerförderung aus Mitteln der DKLB von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Referat Bildende Kunst, Berlin 2002

© VG Bild-Kunst, Bonn 2011
© Reproduktion: Kai-Annett Becker

 
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