Umbo, Ohne Titel, um 1935
Umbo, Ohne Titel, um 1935

Umbo

Ohne Titel, um 1935

Umbo wurde 1902 in Düsseldorf geboren und lebte von 1923 bis 1945 in Berlin. Er gehört zu den innovativsten Künstlern der fotografischen Moderne. Die neue Ästhetik seiner Porträtaufnahmen (Close-up) wurde wegweisend für die moderne Porträtfotografie dieser Zeit. Auch in allen anderen Bereichen seines Œuvres (Stadtfotografie, Fotojournalismus, experimentelle Fotografie) war er ständig darum bemüht, die gestalterischen Möglichkeiten des Mediums zu erweitern.
In diesem Zusammenhang ist auch die vorliegende Aufnahme des Potsdamer Platzes zu sehen. Sie ist mit einem Fish-Eye-Objektiv einer für meteorologische Beobachtungszwecke gebauten Horizontalkamera entstanden. Infolge der Diffamierung der Moderne durch die Nazis blieb die naturwissenschaftliche Fotografie oftmals ein letzter Rückzugsort, um weiterhin die neue fotografische Ästhetik der zwanziger Jahre zu pflegen. In diesem Fall stellte er die Kamera mit dem Objektiv nach oben unter die sogenannte Normaluhr auf der Mitte des Potsdamer Platzes. Durch den Gesichtswinkel von 180 Grad sieht man ihn nun aus einer völlig ungewohnten Perspektive. Dieses Bild (es gibt noch eine Reihe andere Aufnahmen mit dem Fish-Eye-Objektiv) ist ein Beispiel für Umbos Experimentierlust, die letztlich immer auf neue Seherfahrungen gerichtet war.

Ohne Titel, um 1935
Silbergelatinepapier
11,7 x 11,5 cm
Erworben aus Haushaltsmitteln der Berlinischen Galerie, 1988

© Gallery Kicken Berlin/Phyllis Umbehr/VG Bild-Kunst, Bonn 2011
© Reproduktion: Kai-Annett Becker

 
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