kate hers RHEE, Ach du heilige Scheiße, 2012, © kate hers RHEE

kate hers RHEE

12×12. Die IBB-Videolounge

kate hers RHEE beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit den Themen Sprache und Identität. Ihre Videos haben häufig einen performativen Charakter und spielen mit gesellschaftlichen Tabus. Ausgangspunkt für die Künstlerin ist ihre eigene Biografie: Sie wurde in Seoul (Korea) geboren, wuchs in den USA auf und lebt seit einigen Jahren in Berlin. In ihren Projekten thematisiert sie ihre „Otherness“, ihre Fremdheit als Amerikanerin mit asiatischen Wurzeln, in verschiedenen kulturellen Kontexten. Eng damit verbunden ist ihre Erfahrung, durch tradierte Erwartungshaltungen immer wieder in ihrer Rolle als „Fremde“ bestätigt zu werden. Sie nutzt ihren Blick von außen auf die deutsche Gesellschaft, um postkoloniale Strukturen und vermeintlich überwundene Vorurteile offenzulegen.

kate hers RHEE wurde in Seoul, Korea geboren und wuchs in Detroit, USA auf. Sie studierte an der University of California-Irvine und der School of the Art Institute of Chicago. Ihre Arbeiten waren in der Vergangenheit unter anderem zu sehen bei MOMENTUM, Berlin; Maryland Art Place, Baltimore; Kunstverein Hildesheim und SOMArts Cultural Center, San Francisco.

Das deutschsprachliche Projekt, 2008

Das deutschsprachliche Projekt ist eine Performance, die den Alltag der Künstlerin komplett dominierte und in Form eines Videotagebuches aufgezeichnet wurde: Nach weniger als einem Jahr Deutschunterricht zog kate hers RHEE nach Berlin und beschloss, in den folgenden drei Monaten ausschließlich deutsch zu sprechen, lesen und schreiben. Sie dokumentierte ihre Erfahrungen und auch die Frustration, die sich häufig aus dieser Herausforderung ergab. Bereits der Titel der Arbeit, eine unbeholfene Übersetzung von „The German Speaking Project“, verweist auf die Diskrepanzen, die bei der Übertragung von Sinninhalten zwischen zwei Sprachen und Kulturen entstehen. Die fremde Sprache wird hier zum Medium ihrer künstlerischen Arbeit und dient dazu, die Konstruktion unserer Identität zu erforschen: Inwieweit definieren wir uns als einzelne Personen – aber auch als Gesellschaft – über Sprache?

Ach du heilige Scheiße!, 2012

Ach du heilige Scheiße! kann als Fortsetzung des deutschsprachlichen Projekts im weiteren Sinne begriffen werden. Diese Arbeit, deren Format an ein YouTube-Tutorial erinnert, ermöglicht das Erlernen eines essentiellen Bestandteils der deutschen Sprache: Das Fluchen. Die Künstlerin betätigt sich nun als Sprachlehrerin und übt mit dem Betrachter die Intonation verschiedener deutscher Schmähreden. Die Komik ihrer amerikanischen Aussprache wird durch den teils stark diskriminierenden Bedeutungsgehalt der Ausdrücke gebrochen: Der Betrachter schwankt zwischen Lachen und Unbehagen. Motivisch verweist die Arbeit durch die extreme Nahaufnahme des Mundes der Sprecherin zudem auf Bruce Naumans ikonisches Werk Lip Synch (1969) und reiht sich so in eine kunstgeschichtliche Tradition der Auseinandersetzung mit Sprache, Bild und Ton ein.

7 Drawings, 28 Kisses, 2013

Ein Schwerpunkt in kate hers RHEEs aktuellem Schaffen ist die Auseinandersetzung mit der Süßigkeit Schokokuss. Diese wurde bis vor einigen Jahren als „Negerkuss“ oder „Mohrenkopf“ bezeichnet, und auch heute noch sind diese Ausdrücke trotz ihrer rassistischen Konnotation vereinzelt gebräuchlich.
Für die Performance 7 Drawings, 28 Kisses verwendet die Künstlerin eine SM-Maske, um live ‚Action Paintings‘ herzustellen – anstelle von Farbe kommen jedoch Schokoküsse zum Einsatz, die zerquetscht werden. Die zunächst harmlos erscheinende Aktion wird für die Künstlerin in ihrem Verlauf zunehmend unangenehm. Sie verweist so auf die vermeintlich unbedenkliche und alltägliche Verwendung von Begriffen, mit der wir die Diskriminierung eines Teils der Bevölkerung zementieren.

(no) regrets, 2014

Angelehnt an Hollis Framptons Film Nostalgia (1971), in dem Fotos begleitet von anekdotischen Erzählungen verbrannt werden, spießt kate hers RHEE Schokoküsse auf und lässt sie in einer Art animistischen Zeremonie schmelzen. Diese wird begleitet von Auszügen aus Mark Twains Aufsatz The Awful German Language (1880) sowie dem Roman Huckleburry Finn (1884). So entsteht ein komplexes System an Verweisen, welches vom Sklavenhandel des 19. Jahrhunderts bis hin zu den zeitlosen Schwierigkeiten beim Erlernen der deutschen Sprache reicht. Die Befreiung des Sklaven Jim ist dabei der Höhepunkt und symbolisiert – visualisiert durch die brennenden Schokoküsse – das Ende der rassistischen Sprache.

 

 

 

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