Patrycja German

12×12. Die IBB-Videolounge

Vom 05. bis 31.03.2014 zeigt Patrycja German (*1979 in Wroclaw, Polen) zwei ihrer auf Video aufgezeichneten Performances. Patrycja German schafft Situationen, in denen sie ein Gegenüber zum ‚Mitspieler‘ macht und so die Themenkomplexe Intimität und Distanz, Körper und Geschlechterrollen verhandelt. Bei ihr steht nicht das Medium Video im Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens, sondern es dient vielmehr der Aufzeichnung ihrer Performances.

Sie hat in der Vergangenheit diverse Preise und Stipendien erhalten, u.a. das Arbeitsstipendium des Berliner Senats, das Schindler Stipendium LA und den
HAP Grieshaber Preis.

100 vs. 100, 2006, Video, Farbe, Ton, 46 Min.

In 100 vs. 100 fordert German einen gleichgroßen und -schweren Mann zu einem Ringkampf heraus. Die beiden Akteure sind lediglich mit (identischen) Shorts bekleidet. Ihr zunächst zaghafter, im Laufe der Zeit immer leidenschaftlicher und verbissener durchgeführter Kampf wird in einer einzigen Einstellung durchgehend gefilmt. Während speziell der männliche Ringpartner zunächst Hemmungen hat, seine Gegnerin anzufassen oder gar zu attackieren, verlieren nach einer Weile die Unterschiede zwischen den Geschlechtern ihre Relevanz. Stereotype Geschlechterbilder werden so hinterfragt. Der Zuschauer ist zugleich Schiedsrichter und Voyeur, er wird auf sich selbst zurückgeworfen und beobachtet sich beim Beobachten.

80 vs. 3, 2006, Video, Farbe, Ton, 20 Min.

Für 80 vs. 3  hat die Künstlerin drei Männer gecastet, die in der Lage sind, ein Gewicht von 80 Kilo über einen längeren Zeitraum zu stemmen. Das Gewicht ist die Künstlerin selbst, die sich von den Männern nackt durch einen Galerieraum tragen lässt, wobei sie von einem zum nächsten übergeben wird. Diese simple Aufgabe erlaubt Reflektionen über die Körpersprache der Beteiligten wie auch über die Machtstrukturen, die sich in dieser einfachen Versuchsanordnung herausbilden: So nimmt einer der Männer eine dominantere Rolle als die beiden anderen ein. Der soziale Druck motiviert die Männer, auch dann noch durchzuhalten, als ihre Kräfte nachlassen. Wie auch in 100 vs. 100 schwindet im Laufe der Zeit die Berührungsangst dem fremden nackten Körper gegenüber, bis dieser schließlich zu einem beliebigen Objekt wird, das Teil einer Arbeitsaufgabe und -routine ist.


Die Realisierung der IBB-Videolounge erfolgt mit Unterstützung der Investitionsbank Berlin (IBB).

 

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EINTRITTSPREISE

Tageskarte 8 Euro
Ermäßigt 5 Euro (gilt auch für Gruppen ab 10 Personen)
Jeden ersten Montag im Monat 4 Euro

Freier Eintritt bis 18 Jahre

Ermäßigung bei Vorlage eines Tickets des  Jüdischen Museums Berlin am Tag des Erwerbs und an den zwei folgenden Tagen. Dieses Angebot gilt auch umgekehrt.

Orientierungsplan

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