„Pünktlich um 1 Uhr Nachts bin ich in meinem Café zu finden, hier Absinth u. stets Café trinkend“, das schreibt der zwanzigjährige Max Beckmann aus Berlin an seinen Freund Caesar Kunwald.

Nach den prägenden Erlebnissen im Ersten Weltkrieg zieht sich Beckmann 1915 nach Frankfurt am Main zurück. Er ist enttäuscht, sich künstlerisch in Berlin nicht durchgesetzt zu haben und kommt dennoch regelmäßig in die Stadt, die bald zum internationalen Brennpunkt der Avantgarde wird. Hier genießt der Künstler das ausschweifende Nachtleben in vornehmen Bars, Kaschemmen oder frivolen Varietés, für das die Metropole in den Goldenen Zwanzigern erst noch berühmt werden sollte. Auch in seinem grafischen Mappenwerk „Berliner Reise“ (1922) spielt das Nachtleben eine zentrale Rolle. In einem neuen, emotional packenden Stil erfasst Beckmann nicht nur die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen der jungen Weimarer Republik. Zahlreiche Blätter widmet er den nächtlichen Versuchungen der Großstadt. Lakonisch schreibt Beckmann an seinen Verleger: „Wie sie ja aus dem Programm ersehen haben, ist Berlin 1922 fertig. Ich glaube es ist eine gute und ganz amüsante Sache geworden.“

Noch Ende der 1940er-Jahre beschwört Beckmann von Amerika aus das wilde Nachtleben Berlins. In seiner Vorlesung „Briefe an eine Malerin“ heißt es: „Warst Du nicht manchmal mit mir in der tiefen Höhle der Champagnergläser, wo die roten Lobster herumkriechen und schwarze Kellner die roten Rumbas servieren, die die Glut durch die Adern jagen zum wilden Tanz – wo sich weiße Kleider und schwarze Seidenstrümpfe um die schmalen Hüften der jungen Götter pressen zwischen Orchideenblüten und dem Klirren der Tambourine?“

Erleben Sie in der Ausstellung Max Beckmann und Berlin unter anderem das ausschweifende Nachtleben Berlins der Zwanziger Jahre in den Blättern der „Berliner Reise“ (1922).

Themenführung "Max Beckmann und das Nachtleben":
12.12., 26.12., 09.01 16:30 Uhr – 17:30 Uhr

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