„Wenn er ein Porträt von mir malte, kam es oft vor, daß ich spürte, wie Max mich intensiv und mit einem durchbohrenden Blick ansah, was mich zuweilen unsicher und befangen machte. Bemerkte er das, sagte er gleich: ‚Bitte mach weiter mit dem, was du angefangen hast, und vergiß, daß ich da bin. Ich beobachte dich so genau, weil ich gerade wieder ein Porträt von dir angefangen habe,‘“ so Mathilde Beckmann, genannt „Quappi“, in ihren Lebenserinnerungen. Die beiden Ehefrauen von Max Beckmann, Minna Beckmann-Tube und Quappi, waren bevorzugte Modelle des Malers. „Mein Gott was werde ich für schöne Porträts von Dir machen“, schwärmt er in einem frühen Brief an Quappi, die er 1925 nach der Scheidung von Minna heiratete.

Neben seinen Ehefrauen widmet Beckmann unter anderem auch seinen Mäzeninnen hinreißende Werke. Zu diesem Kreis gehört die Modejournalistin Käthe von Porada. Sie steht dem Künstler in Frankfurt und während seiner Aufenthalte in Paris zur Seite und war für ihre teuren Geschenke bekannt und gefürchtet. So soll sie Beckmann einen extravaganten gelben Opel zur Hochzeit geschenkt haben. Auch der Papagei, den Quappi in ihrem Porträt (1936) liebevoll füttert, ist ein Weihnachtsgeschenk von Käthe.

Die Sammlerin Lilly von Schnitzler besaß zahlreiche Werke von Beckmann und setzte sich schon in der Frankfurter Zeit leidenschaftlich für ihn ein: „Ich sagte meinem Mann eines Tages, er brauche sich keine Gedanken zu machen, was er mir zum Geburtstag oder zu Weihnachten schenken könnte: einfach ein Gemälde von Max Beckmann.“ Lilly hält auch in Berlin zu ihm, als Beckmanns Werke 1933 unter der NS-Diktatur für „entartet“ erklärt werden. Sie erwirbt weiterhin Werke von ihm und hängt sie in ihren Salon, obwohl bei den von Schnitzlers ranghohe Vertreter des neuen Regimes ein und aus gingen. Beckmann bewunderte Lillys Mut und war dankbar für ihre Unterstützung. „Aber sonst ist die Mischung von Begeisterung für das Regime und mich schwierig zu ertragen,“ schreibt er in einem seiner Briefe.

Noch bis 15. Februar ist die Ausstellung „Max Beckmann und Berlin“ in der Berlinischen Galerie zu erleben, darunter auch das Werk „Der Leiermann“ (1935). Es hing im Wohnzimmer Lilly von Schnitzlers und konnte bei Bedarf mit einem hellgrünen Seidenvorhang verdeckt werden.

Themenführung "Max Beckmann und die Liebe":
19.12., 02.01., 16:30 Uhr – 17:30 Uhr

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