„Beckmann ist ohne Berlin nicht gut denkbar. […] Wie man von Renoir und Paris spricht, so wird man eines Tages die Gemeinsamkeit Beckmanns und Berlins empfinden. Berlin, das heißt Kampf, Tragik, nacktes Leben, Wille, Energie, Brutalität, Kraft, Nerven und Geist.“ Bereits in den 1910er-Jahren gilt Max Beckmann als Maler des großstädtischen Berlins. Dazu der Künstler 1918 selbst: "Bauern und Landschaft ist sicher auch etwas sehr schönes und gelegentlich eine schöne Erholung. Aber das große Menschenorchester ist doch die Stadt."

Noch vor den Expressionisten begeistert sich Beckmann für Berlin und das moderne Großstadtleben: "Machte den Entwurf zu einer Scene aus der Friedrichstr., die ich gestern auf dem Nachhauseweg bemerkt [.] hatte“, schrieb er 1909 in sein Tagebuch. „Männer die sich nach ein paar Dirnen im Gehen umdrehen. [.]. Möchte gern etwas von dem Zucken, dem magnetischen Zusammenreißen der Geschlechter hineinbringen." In seiner Herangehensweise als objektiver Beobachter orientiert sich Beckmann bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges stilistisch am Impressionismus.

Erst in seinem großen Mappenwerk „Die Hölle“ 1918/19 liefert auch Beckmann einen emotionalen, subjektiven Blick auf Berlin. Seine Motive findet er in der brutalen Realität der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Blätter zeigen zersplitterte Formen, verzerrte Perspektiven, alles scheint zu schwanken und zu fallen. Eine aus den Fugen geratene Welt voller Gewalt, Verbrechen, Hunger und Armut. Sein Berliner Kunsthändler J. B. Neumann, der die „Hölle“ verlegte, schrieb der dämonischen Kraft der Blätter ihre eigene Berechtigung zu: „Wir haben Dantes ‚Hölle‘ und die von Bosch und Brueghel. Warum nicht auch Beckmann […].“

Mit dem Gemälde "Die Straße", aus dem Jahr 1914 besitzt die Berlinische Galerie ein Schlüsselwerk des frühen Beckmann. Diese und weitere Großstadtszenen sind in der Ausstellung Max Beckmann und Berlin zu sehen.

Weitere Geschichten zu Max Beckmann hier.

 

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