Audioguide

Der Audioguide lädt ein, tiefer in Jeanne Mammens Leben und Werk einzutauchen. Ausgehend vom Leben und Schaffen einer schillernden Persönlichkeit entsteht ein facettenreiches Bild der Berliner Kunstwelt über viele Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

Audioguide Deutsch, Englisch (Gebühr 2 €), Dauer ca. 60 min.

Auszug

Große Revuen erlebten in den 20er-Jahren einen wahren Boom. Vor allem im vergnügungssüchtigen Berlin überboten sich die Theater mit der neuesten Starbesetzung, spektakulären Kulissen und verschwenderischer Ausstattung.

Zu einer Revue gehört als fester Bestandteil die Tanztruppe: In knappen Kostümen sorgen die Revue-Girls für den erotischen Touch. Sie werfen ihre langen Beine im Rhythmus der Musik und bilden immer neue Figuren und Ornamente. Sie sind Teil einer großen Masse, normierte Typen, keine Individuen.

Die „Revuegirls“ von Jeanne Mammen sind erstaunlicher Weise genau das: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Zwar tragen sie die gleichen durchsichtigen Kostüme, aber dank der strengen Profilansicht fallen die Differenzen umso deutlicher ins Auge.

Mammen konzentriert sich auf die erschöpften Gesichter, den fahlen Teint und die grell geschminkten Lippen. Die eigentliche Attraktion – die langgliedrigen Körper der Tänzerinnen – sind nur bis zur Brust dargestellt. Regungslos und erschöpft stehen die Girls stramm, von sprühendem Glamour keine Spur. Ihr Leben besteht aus harter Arbeit und Drill. Sie sind nur kleine Rädchen im Getriebe der Unterhaltungsindustrie.

Auch auf ihren grafischen Blättern enttarnt Mammen immer wieder weibliche Idealbilder. Die so genannte „Neue Frau“ der 20er-Jahre ist emanzipiert, sportlich und kess. Mit der Lebenswirklichkeit der meisten Frauen hat das allerdings wenig zu tun. Mammen, die als selbstständige Künstlerin den Prototyp der „Neuen Frau“ darstellt, blickt hinter die Fassade. Dem vorderen Revuegirl verleiht sie sogar ihre eigenen Züge. Die hintere Figur ähnelt ihrer Schwester Mimi.

 

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