Jeanne Mammen

Unabhängig und Eigensinnig

Unter den vielfältigen Figuren und Typen, die wir in Jeanne Mammens Werk kennenlernen, sind es Frauen, die bei uns die stärksten Eindrücke hinterlassen. Als Chronistin der Weimarer Republik seziert die Künstlerin mit spitzer Feder all jene Rituale der Neuen Frau, denen sie sich hingibt, um dem medial geprägten Ideal zu entsprechen. Regungslos lässt der Vamp mit fahlem Teint in dem Blatt „Die Rothaarige“ die Schönheitspflege über sich ergehen. 1928 wurde das zarte Aquarell im Ulk abgedruckt und mit der Unterschrift „Gedanken beim Frisör“ versehen. Von dem, was die junge Frau bewegt, erzählen  ihre Gesichtszüge jedoch nichts.

Sich selbst hat die Künstlerin diesem Schönheitskult nie unterworfen, sie ging mit sich aber nicht minder hart ins Gericht. Im Selbstporträt von 1932 wird die eigene Physiognomie nur mit langen Bleistiftlinien umrissen. Kurze, dichte Strichbündel  markieren die tiefen Verschattungen auf dem Gesicht. Zusammengesunken doch konzentriert sitzt sie da und beißt sich auf die Unterlippe. Das Haar ist nachlässig frisiert. Der Blick, nach oben gerichtet, geht aus  dem Bild heraus – auf sich selbst als Zeichnende. Und zugleich auf uns.

 

 

 

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