Fotospaziergang, Stadtteilmütter 2014, © Foto: Barbara Antal

Neue Wege der Kunstvermittlung

Ein Projekt mit den Stadtteilmüttern Friedrichshain-Kreuzberg

Die Berlinische Galerie nutzt die Sanierungsphase für einen Perspektivwechsel in der Kunstvermittlung: Noch stärker als bisher setzen wir auf Partizipation und den Diskurs mit gesellschaftlichen Gruppen. Gemeinsam mit dem Team von Jugend im Museum e.V. werden Formen des Dialogs und der Zusammenarbeit mit Nachbar*innen, Schulen und Vereinen im Kiez erprobt: Wie kann ein Dialog auf Augenhöhe stattfinden? Wie gelingt es uns, an den Interessen und Sichtweisen derer teilzuhaben, die eher selten ein Museum besuchen? Wie können wir der Vielfalt der Kreuzberger Bevölkerung im Museum gerecht werden, und was können wir voneinander lernen?

Exemplarisch für die Öffnung der Berlinischen Galerie und ihrer Kunstvermittlung in den Stadtraum steht die Kooperation mit den Stadtteilmüttern Friedrichshain-Kreuzberg. Die Stadtteilmütter sind ein Projekt des Diakonischen Werks Berlin Stadtmitte e.V. Ihre Aufgabe und Ziel ist es, durch die aufsuchende Familienarbeit die Entwicklungs- und Bildungschancen von Kindern aller Kulturen und Nationalitäten nachhaltig zu verbessern. Die speziell qualifizierten Stadtteilmütter, selbst überwiegend türkischer und arabischer Herkunft, handeln direkt vor Ort in den Familien: Sie stärken familiäre Netzwerke, bauen Nachbarschaftskontakte auf und bieten Austausch und Unterstützung in den Bereichen Sprachentwicklung, Gesundheitsförderung oder Medienkompetenz.

Stadtteilmütter und Kunstvermittlerinnen des Atelier Bunter Jakob haben sich in den letzten Monaten regelmäßig getroffen und kennengelernt. Im Museum, im Familienzentrum TAM sowie beim Spaziergang im Kreuzberger Kiez wurde ernsthaft und humorvoll debattiert: Welche Kunst interessiert mich, was hingegen finde ich langweilig? Was provoziert? Und wo gibt es, offen oder subtil, Verbindungen zu meinem Alltag, zum Leben in den Kreuzberger Familien? Kann Staub zu Kunst werden, wie denken Männer, und was macht Mut und Lust, neue Perspektiven einzunehmen? Angeregt von der Kunst wurden Fragen nach Identität und Entwicklung diskutiert, nach Spiel und Sprache oder auch Ernährung und Gesundheit, die in der Arbeit der Stadtteilmütter von großer Bedeutung sind. Im Diskussionsprozess ergaben sich für die beiden Professionen neue, manchmal überraschende Deutungen und Zusammenhänge.

Fotospaziergang, Stadtteilmütter 2014, © Foto: Barbara Antal
Fotospaziergang, Stadtteilmütter 2014, © Foto: Barbara Antal
© Foto: Diana Brinkmeyer

Aus diesen Schnittmengen wurde ein spielerisches „Werkzeug“ entwickelt, das zur Kommunikation anregt: Es  zeigt Kunstwerke der Museumssammlung, kombiniert mit Bildern aus dem Alltag und Produkten aus dem Arbeitsprozess – Fotos, Zeichnungen und offene Fragen der Teilnehmerinnen. Die Kunst wird persönlich kommentiert und hinterfragt, mal provozierend und kritisch, mal augenzwinkernd. Die einzelnen Bilder und Fragen sind kombinierbar und ermöglichen auch kommenden Nutzern das individuelle Spiel mit der Vielfalt der Deutungen. Durch das Blättern der Karten findet man immer neue Bildkombinationen, die inhaltliche Verknüpfungen zwischen Kunst und Alltag herstellen. Künftig soll das Kartensystem bei den Familienbesuchen der Stadtteilmütter zum Einsatz kommen wie auch in der künstlerischen Vermittlung der Berlinischen Galerie.

 

Die Ausführliche Dokumentation des Projektes kann hier heruntergeladen werden Download

 

Berlinische Galerie

Landesmuseum für Moderne
Kunst, Fotografie und Architektur
Stiftung Öffentlichen Rechts

Alte Jakobstraße 124–128
10969 Berlin

bg@berlinischegalerie.de

Tel +49 (0)30-789 02-600
Fax +49 (0)30-789 02-700

Öffnungszeiten

Mittwoch–Montag 10:00–18:00 Uhr

Dienstags geschlossen
Geschlossen am 24. und 31.12.

Unser Museum ist an den folgenden Dienstagen geöffnet:
25.12.2018 und 01.01.2019

EINTRITTSPREISE

Tageskarte 10 Euro

Ermäßigt 7 Euro (gilt auch für Gruppen ab 10 Personen)
Jeden ersten Montag im Monat 6 Euro

Freier Eintritt bis 18 Jahre

Ermäßigung bei Vorlage eines Tickets des  Jüdischen Museums Berlin am Tag des Erwerbs und an den zwei folgenden Tagen. Dieses Angebot gilt auch umgekehrt.

Unsere Freund*innen erhalten immer freien Eintritt ins Museum sowie weitere Vergünstigungen. Mehr Angebote und Informationen hier.

Orientierungsplan

Plan als PDF