Jeanne Mammen

Glanz und Elend Berlins

Für ein Magazincover inszeniert Jeanne Mammen ein mondänes Paar vor einer modernen Großstadtkulisse mit Hochhäusern, Stadtbahnbrücken und so viel nächtlichem Lichterglanz, dass der Mond hoch oben am nachtschwarzen Himmel kaum noch als Leuchtmittel taugt. Hier ist noch jenes pariserische Flair spürbar, das der Künstlerin Mitte der 1920er-Jahre die Tür zum Berliner Zeitschriftenmarkt öffnete.

Doch sie sieht nicht nur den Glanz der Metropole, auch das Elend bleibt ihr nicht verborgen. Eindrücke von den kleinen Leuten füllen Mammens Zeichnungen und Gemälde während der Wirtschaftskrise gegen Ende des Jahrzehnts.

Im dichten Gedränge eines Kaffeehauses zeigt sie Menschen verschiedenen Geschlechts, Alters und sozialer Herkunft, denen nur eines gemeinsam ist: ihre Einsamkeit und  Kommunikationslosigkeit. Leere schwarze Augen sowohl bei der übernächtigten jungen Frau, die hastig den Kaffee hinunterstürzt, als auch bei dem knochigen Mann im altmodischen Anzug mit jenem steifem Kragen, den man „Vatermörder“ nannte. Einzig der Schachspieler hat ein Gegenüber, doch diese Person ist im Bild nicht sichtbar. Mammen malt Menschen, die gemeinsam einsam sind.

Die scharfsinnige Beobachterin Jeanne Mammen porträtierte glamouröse Zeitgenossen, das frivole Nachtleben oder Figuren am Rande der Gesellschaft: unverwechselbare Ikonen der „Goldenen Zwanziger“. Die Retrospektive zeigt 170 Arbeiten aus über 60 Jahren.

Weitere Geschichten zu Jeanne Mammen hier.

 

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