Bücherreihe Der Kunstmarkt, Foto: © Wolfgang Schöddert

Provenienzforschung

Gemälde, Skulpturen, Grafik und Fotografien aus der historischen Sammlung der Berlinischen Galerie dokumentieren die Strömungen der künstlerischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts in Berlin. Seit der Gründung des Museums 1975 konnten mehr als 3.400 Kunstwerke der Moderne erworben werden, die vor 1945 entstanden sind. Sie stehen für die kulturelle Vielfalt der Stadt, die nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 systematisch zerstört worden ist. Die Herkunftsgeschichte dieser Werke möglichst lückenlos zurückzuverfolgen, zu benennen, wer ihre früheren Eigentümer waren, und schließlich zu ermitteln, ob sich darunter Verfolgte des NS-Regimes befunden haben, denen ihr Kunstbesitz abgepresst oder geraubt wurde, sind die Aufgaben der Provenienzforschung.

Seit 2010 ermöglichen Sondermittel des Landes Berlin die Finanzierung eines wissenschaftlichen Mitarbeiters für Provenienzforschung, der die Sammlung des Museums gezielt nach NS-Raubkunst untersucht. Die Berlinische Galerie setzt damit die 1998 international vereinbarten Washingtoner Prinzipien und die Grundsätze der 1999 verabschiedeten „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“ um.

In Zusammenarbeit mit der Ferdinand-Möller-Stiftung wurde schon 2006 ein Projekt initiiert, das den Beginn der Aufarbeitung der Bestände der Künstler-Archive  für die internationale Provenienzforschung markiert. In einer bisher einmaligen Forschungsinitiative wird erschlossen, welche Kunstwerke der zwischen 1918 und 1949 in Berlin tätige Galerist Ferdinand Möller gehandelt hat. Bereits seit den 1910er-Jahren hatte sich Möller insbesondere für die Brücke-Maler und die Bauhausmeister eingesetzt. Er zählte ab 1938 neben Hildebrandt Gurlitt zu den Kunsthändlern, die in die „Verwertung“ von „Entarteter Kunst“ aus deutschem Museumsbesitz eingebunden waren. Ergebnisse der zwischen 2008 und 2012 von der Arbeitsstelle für Provenienzforschung finanzierten systematischen Auswertung von mehreren tausend Briefen, Geschäftsunterlagen und Werkfotos des Galerienachlasses – darin Informationen zu mehr als 6.000 Kunstwerken – sind seit Ende 2015 online verfügbar.

Aus der parallelen Erschließung des Ferdinand-Möller-Archivs und der Provenienzforschung zur Sammlung der Berlinischen Galerie ging 2010 eine Initiative hervor, die sich der konzentrierten Auffindung und Auswertung von Materialien aus dem Berliner Kunsthandel verschrieben hat. Seitdem sind die Künstler-Archive mit Unterstützung des Landes Berlin damit befasst, Informationen zu Sammlern und Händlern der Moderne in Berlin zu gewinnen und ihre Interessen und Tätigkeit zu dokumentieren. Das Ziel ist, auf diesem wichtigen Feld Forschungslücken zu schließen und Recherchen zur Umsetzung der Washingtoner Prinzipien aktiv zu unterstützen.

Um die Provenienzforschung zukünftig noch fester in die Museumsarbeit einzubinden, hat die Berlinische Galerie schließlich 2013 das bundesweit erste Wissenschaftliche Volontariat für Provenienzforschung besetzt. Nach der Integration entsprechender Module in die kunsthistorische Ausbildung der Berliner Universitäten, ist das ein folgerichtiger Schritt zur Stärkung des Berufsfeldes.

 

Berlinische Galerie

Landesmuseum für Moderne
Kunst, Fotografie und Architektur
Stiftung Öffentlichen Rechts

Alte Jakobstraße 124–128
10969 Berlin

bg@berlinischegalerie.de

Tel +49 (0)30-789 02-600
Fax +49 (0)30-789 02-700

Öffnungszeiten

Mittwoch–Montag 10:00–18:00 Uhr
Dienstag geschlossen

EINTRITTSPREISE

Tageskarte 10 Euro
Ermäßigt 7 Euro (gilt auch für Gruppen ab 10 Personen)
Jeden ersten Montag im Monat 6 Euro

Freier Eintritt bis 18 Jahre

Ermäßigung bei Vorlage eines Tickets des  Jüdischen Museums Berlin am Tag des Erwerbs und an den zwei folgenden Tagen. Dieses Angebot gilt auch umgekehrt.

Orientierungsplan

Plan als PDF