Spurensuche im Ferdinand-Möller-Archiv

Aufgabe der Provenienzforschung ist es, die Herkunftsgeschichte von Kunstwerken der Berlinischen Galerie möglichst lückenlos zurückzuverfolgen und zu ermitteln, ob sich unter den früheren Eigentümern Verfolgte des NS-Regimes befunden haben, denen ihr Kunstbesitz abgepresst oder geraubt wurde. Dies geschieht, neben anderen Quellen, unter Zuhilfenahme der Künstlerarchive und des Nachlasses des Kunsthändlers Ferdinand Möller  in dessen Besitz die Berlinische Galerie ist. 

Die folgende Bilderstrecke erzählt von der Spurensuche zur Klärung der Provenienz des Gemäldes „Landschaft. Bild 1“ von Jacoba van Heemskerck aus dem Bestand der Berlinischen Galerie.

Abb. 1: Jacoba Van Heemskerck, Landschaft Bild 1, um 1914, Foto: Kai-Anett Becker: Kurz vor dem Ersten Weltkrieg war Jacoba van Heemskerck in Berlin eine gefeierte Malerin. 1914 zeigte Herwarth Walden die Niederländerin in seiner Galerie „Der Sturm“ in der Potsdamer Straße 134 und bot ihr frisch entstandenes Gemälde „Landschaft. Bild 1“ an. 1982 wurde das Gemälde von einem Hamburger Galeristen für die Berlinische Galerie erworben. Er konnte die Provenienz des Gemäldes in Teilen benennen, wo es sich zwischen 1933 und 1945 befunden hat, war allerdings nicht bekannt.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg war Jacoba van Heemskerck in Berlin eine gefeierte Malerin. 1914 zeigte Herwarth Walden die Niederländerin in seiner Galerie „Der Sturm“ in der Potsdamer Straße 134 und bot ihr frisch entstandenes Gemälde „Landschaft. Bild 1“ an. 1982 wurde das Gemälde von einem Hamburger Galeristen für die Berlinische Galerie erworben. Er konnte die Provenienz des Gemäldes in Teilen benennen, wo es sich zwischen 1933 und 1945 befunden hat, war allerdings nicht bekannt.

Abb. 1: Jacoba Van Heemskerck, Landschaft Bild 1, um 1914

Abb. 2: Aufkleber der Galerie Ernst Arnold, Dresden, Foto: Kai-Anett Becker: Aufkleber und Beschriftungen auf den Rahmen von Gemälden sind wichtige Quellen für die Provenienzforschung. Sie geben konkrete Anhaltspunkte für weiterführende Recherchen. Ein Aufkleber auf dem Rahmen des Gemäldes von Jacoba van Heemskerck belegt, dass es einmal in der Dresdner Galerie Ernst Arnold war. Seit den 1910er-Jahren zählte diese Galerie zu den führenden Kunsthandlungen der Moderne in Deutschland und 1919 zeigte sie Jacoba van Heemskerck in einer Ausstellung mit Künstlern der Galerie „Der Sturm“.

Aufkleber und Beschriftungen auf den Rahmen von Gemälden sind wichtige Quellen für die Provenienzforschung. Sie geben konkrete Anhaltspunkte für weiterführende Recherchen. Ein Aufkleber auf dem Rahmen des Gemäldes von Jacoba van Heemskerck belegt, dass es einmal in der Dresdner Galerie Ernst Arnold war. Seit den 1910er-Jahren zählte diese Galerie zu den führenden Kunsthandlungen der Moderne in Deutschland und 1919 zeigte sie Jacoba van Heemskerck in einer Ausstellung mit Künstlern der Galerie „Der Sturm“.

Abb. 2: Aufkleber der Galerie Ernst Arnold, Dresden

Abb. 3: Aufkleber der Dominion Gallery, Montreal, Foto: Kai-Anett Becker: Ein Aufkleber der 1941 in Montreal gegründeten Dominion Gallery führte zu entscheidenden Hinweisen auf die Provenienz des Gemäldes. Im Nachlass der Dominion Gallery, den das Archiv der National Gallery of Canada in Ottawa aufbewahrt, fand sich Korrespondenz mit dem deutschen Emigranten Robert C. Schön. Danach erwarb Schön das Gemälde kurz nach dem Ersten Weltkrieg in der Galerie Ernst Arnold und übergab es der Dominion Gallery 1942 mit Gemälden von u.a. Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger, Marc Chagall. 1948 verkaufte die Galerie das Gemälde von Jacoba van Heemskerck an einen kanadischen Sammler.

Ein Aufkleber der 1941 in Montreal gegründeten Dominion Gallery führte zu entscheidenden Hinweisen auf die Provenienz des Gemäldes. Im Nachlass der Dominion Gallery, den das Archiv der National Gallery of Canada in Ottawa aufbewahrt, fand sich Korrespondenz mit dem deutschen Emigranten Robert C. Schön. Danach erwarb Schön das Gemälde kurz nach dem Ersten Weltkrieg in der Galerie Ernst Arnold und übergab es der Dominion Gallery 1942 mit Gemälden von u.a. Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger, Marc Chagall. 1948 verkaufte die Galerie das Gemälde von Jacoba van Heemskerck an einen kanadischen Sammler.

Abb. 3: Aufkleber der Dominion Gallery, Montreal

Abb. 4: Ferdinand Möller um 1935 in einer seiner Galerie in Berlin: Ein Abgleich der Informationen aus Kanada mit Ergebnissen der Tiefenerschließung des Ferdinand-Möller-Archivs in der Berlinischen Galerie (link) führten zur weiteren Klärung der Provenienz des Gemäldes von Jacoba van Heemskerck. Ferdinand Möller war ab 1913 Mitarbeiter der Galerie Ernst Arnold und zwischen 1917 und 1956 selbständiger Galerist in Breslau, Berlin und Köln. 1938 bezogen ihn die Nationalsozialisten auf Grund seiner internationalen Kontakte in die Verwertung der in deutschen Museen beschlagnahmten „Entarteten Kunst“ ein. Künstler, deren Gemälde Robert Schön 1942 an die Dominion Gallery übergab, waren der Schwerpunkt seines Galerieprogramms.

Ein Abgleich der Informationen aus Kanada mit Ergebnissen der Tiefenerschließung des Ferdinand-Möller-Archivs in der Berlinischen Galerie führten zur weiteren Klärung der Provenienz des Gemäldes von Jacoba van Heemskerck. Ferdinand Möller war ab 1913 Mitarbeiter der Galerie Ernst Arnold und zwischen 1917 und 1956 selbständiger Galerist in Breslau, Berlin und Köln. 1938 bezogen ihn die Nationalsozialisten auf Grund seiner internationalen Kontakte in die Verwertung der in deutschen Museen beschlagnahmten „Entarteten Kunst“ ein. Künstler, deren Gemälde Robert Schön 1942 an die Dominion Gallery übergab, waren der Schwerpunkt seines Galerieprogramms.

Abb. 4: Ferdinand Möller um 1935 in einer seiner Galerie in Berlin

Abb. 5: Durchschlag einer Aufstellung für Fritz Schön v. 6. Mai 1936: Ein Teil der Gemälde, die Robert C. Schön 1942 an die Dominion Gallery übergab, befand sich im Mai 1936 als Besitz von Fritz Schön in der Galerie Ferdinand Möller und in der Nationalgalerie in Berlin. Darunter eine Landschaft von Jacoba van Heemskerck, bei der es sich vermutlich um das Gemälde „Landschaft. Bild 1“ handelt.

Ein Teil der Gemälde, die Robert C. Schön 1942 an die Dominion Gallery übergab, befand sich im Mai 1936 als Besitz von Fritz Schön in der Galerie Ferdinand Möller und in der Nationalgalerie in Berlin. Darunter eine Landschaft von Jacoba van Heemskerck, bei der es sich vermutlich um das Gemälde „Landschaft. Bild 1“ handelt.

Abb. 5: Durchschlag einer Aufstellung für Fritz Schön v. 6. Mai 1936

Abb. 6: Brief von Fritz Schön an Ferdinand Möller v. 10. Juni 1936: Fritz Schön hatte Berlin verlassen und lebte ab 1935 in Ascona. Eine Anfrage im Schweizerischen Bundesarchiv in Bern ergab, dass er und Robert C. Schön Vater und Sohn waren. Beide emigrierten nach Kanada. Mit Hilfe der Dominion Gallery in Montreal verkauften sie wichtige Gemälde ihrer ehemals in Berlin aufbewahrten Sammlung. Heute befinden sie sich neben der Berlinischen Galerie, in der Guggenheim Collection und dem MoMA in New York und in weiteren amerikanischen Sammlungen.

Fritz Schön hatte Berlin verlassen und lebte ab 1935 in Ascona. Eine Anfrage im Schweizerischen Bundesarchiv in Bern ergab, dass er und Robert C. Schön Vater und Sohn waren. Beide emigrierten nach Kanada. Mit Hilfe der Dominion Gallery in Montreal verkauften sie wichtige Gemälde ihrer ehemals in Berlin aufbewahrten Sammlung. Heute befinden sie sich neben der Berlinischen Galerie, in der Guggenheim Collection und dem MoMA in New York und in weiteren amerikanischen Sammlungen.

Abb. 6: Brief von Fritz Schön an Ferdinand Möller v. 10. Juni 1936

Mehr zum Thama Provenienzforschung gibt es hier

 

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