Cathleen Schuster, Unfinished Business, 2009, © Cathleen Schuster

Cathleen Schuster

12×12. Die IBB-Videolounge

Zum Abschluss werden im Juni Werke von Cathleen Schuster (*1977 in Lünen) gezeigt, die sich in ihren Arbeiten häufig mit den Ausprägungen und Folgen der Globalisierung auseinandersetzt. Insbesondere nimmt sie die damit verbundenen Forderungen nach Flexibilität in der Arbeitswelt in den Blick. Die beiden in der Berlinischen Galerie gezeigten essayistischen Filme haben ihren Ausgangspunkt in der Familiengeschichte der Künstlerin. Sie weisen in ihrer Komplexität jedoch über diesen persönlichen Aspekt hinaus und zeigen Bezüge zwischen dem Privaten und dem Globalen, zwischen lokalen Ereignissen und deren medialer Rezeption. Cathleen Schuster studierte an der HGB Leipzig. Schuster wurde 2010 mit dem Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendium ausgezeichnet und erhielt 2012 gemeinsam mit Marcel Dickhage den GWK-Förderpreis. 2013-14 war sie Researcher an der Jan van Eyck Academie in Maastricht. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Unfinished Business, 2009

Unfinished Business verhandelt den Bau des Atomkraftwerks Buschehr im Iran, an dem Cathleen Schusters Vater in den 1970er Jahren als Ingenieur beteiligt war. Während dieses Vorhaben damals ein lukratives Geschäft für deutsche Konzerne wie Siemens oder Krupp darstellte, besteht heute der Verdacht, dass der Reaktor zur nuklearen Aufrüstung genutzt wird. Mit sogenanntem Found Footage, angeeignetem Material wie Fotos aus dem Familienarchiv oder Ausschnitten aus Zeitungsartikeln, erzählt Schuster von den Vorkommnissen auf der Baustelle, dem Verhältnis zwischen Europäern und Einheimischen und der Iranischen Revolution, die 1979 Anlass für einen Baustopp und die Ausreise der Familie war.

Not a waste, 2013

In Not a waste beschäftigt sich Schuster mit dem Thema Kunststoff-Recycling in Indien. Diese Arbeit kommt im Gegensatz zu Unfinished Business gänzlich ohne Videoaufnahmen aus und besteht aus Reisefotografien ihres Vaters aus dem Jahr 1986. Schuster thematisiert anhand dieser Branche beispielhaft wirtschaftliche Abhängigkeitsverhältnisse und weiterhin bestehende (post)koloniale Strukturen. In beiden Werken entstehen durch die Montage verschiedener Perspektiven vielschichtige, zum Teil widersprüchliche Erzählungen. Diese tragen der Komplexität historischer Entscheidungen und Entwicklungen Rechnung und sind gleichsam eigentümlich poetisch.

 

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