Georgij Petrussow, Berlin, Anfang Mai 1945 © Alex Lachmann

Thomas-Friedrich-Stipendium

für Fotografieforschung

Seit Januar 2014 gibt es an der Berlinischen Galerie das Thomas-Friedrich-Stipendium für Fotografieforschung. Es ermöglicht jungen Wissenschaftlern, jeweils für die Dauer eines Jahres, die Arbeit an einem Konvolut der Fotografischen Sammlung. Das Forschungsthema wird von einer Fachjury bestimmt. Die Ergebnisse der Thomas-Friedrich-Stipendien werden in der Museumspublikationsreihe „Forschungsberichte“ veröffentlicht.

Jury und Unterstützer

Mit ihren rund 80 000 Werken hat die Berlinische Galerie eine der bedeutendsten Fotografischen Sammlungen Deutschlands. In ihr spiegelt sich der Beitrag Berlins für die Entwicklung der Fotografie von Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute wider. Schwerpunkte sind die Porträt- und Stadtfotografie, die neuen Tendenzen fotografischen Arbeitens in der Moderne, die Neuansätze der Autorenfotografie seit den siebziger Jahren, eine der qualitätsvollsten Sammlungen zur Fotografiegeschichte der DDR und herausragende Arbeiten der zeitgenössischen Fotoszene.

Das mit jährlich 15.000 Euro dotierte Stipendium wird durch die freundliche Unterstützung des international bekannten Sammlers und Fotografie-Förderers Manfred Heiting (The Heiting Library Trust) ermöglicht. Namensgeber des Stipendiums ist der Berliner Kurator, Verleger, Publizist und Fotografiehistoriker Thomas Friedrich (1948-2011). Seine Leidenschaft für die Fotografie und sein Forscherinstinkt sind Vorbild und Aufforderung, um bisher unerforschte Sammlungsbestände der Berlinischen Galerie wissenschaftlich zu erschließen.

Die Forschungsinhalte und Themen entwickelt eine Fachjury, bestehend aus: Janos Frecot (ehemaliger Leiter der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie, Berlin), Ulrich Domröse (Leiter der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie, Berlin), Prof. Dr. Wilfried Wiegand (Kunsthistoriker, Journalist und Honorarprofessor für Kunstgeschichte der Moderne an der TU Dresden), seit 2016 zog sich Wilfried Wiegand aus gesundheitlichen Gründen zurück, seinen Platz übernahm Dr. Ingrid Wagner (Koordinatorin für Projekte und Stipendien bei der Senatsverwaltung für Kultur und Europa) und Manfred Heiting als informelles Mitglied.

2014 Steffi Brandl (1897-1966)

Im Rahmen des ersten Stipendium erforschte Elke Tesch 2014 Leben und Werk der Berliner Porträtfotografin Steffi Brandl. Brandl gehört zu den maßgeblichen Fotografinnen der 1920er- und 30er-Jahre in Berlin. Prominente Künstler und Persönlichkeiten wie Max Liebermann, Renée Sintenis und Adolf Loos ließen sich von ihr in ihrem Berliner Studio fotografieren, bis sie 1938, aufgrund ihrer jüdischen Herkunft, in die USA emigrierte. Bisher waren ihre Bilder nur wenigen bekannt. Das Ziel von Elke Tesch war es, die großen Lücken in Brandls Biografie zu schließen und ihre Arbeitsweise im Kontext anderer Porträtfotografinnen dieser Zeit zu untersuchen.

Steffi Brandl, Ohne Titel (Renée Sintenis), um 1929, © Berlinische Galerie
Steffi Brandl, Ohne Titel (Hilde Koerber), 1928, © Berlinische Galerie
Steffi Brandl, Ohne Titel (Porträt Paul Tillich), 1932, © Berlinische Galerie
Steffi Brandl, Ohne Titel (die Tänzerin Berthe Trümpy), 1927, © Berlinische Galerie

2015 – Erich Salomon (1886-1944)

2015 widmete sich die Stipendiatin Christiane Kuhlmann dem Thema „Der unbekannte Erich Salomon“. Salomon ist einer  der wichtigsten Fotografen und Bildjournalisten des 20. Jahrhunderts, dessen Nachlass die Berlinische Galerie besitzt. Forschungsgrundlage waren zum einen Salomons legendärer Lichtbildvortrag von 1931 im Hotel Kaiserhof in Berlin und zum anderen die beiden Ausstellungen in der Royal Photographic Society und in der Ilford Gallery (London 1935 und 1937).

Erich Salomon, Damengesellschaft in der deutschen Botschaft in Washington, 1932, © bpk - Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte
Erich Salomon, Die Hüte des deutschen Reichskanzlers und seines Außenministers, rechts die der französischen Delegation vor Ramsay Macdonalds Zimmertür im Hotel Beau Rivage in Lausanne, 1932, © bpk - Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte
Erich Salomon, Lausanner Abrüstungskonferenz, Abschlusstreffen der Politiker im Hotel Beau Rivage, Juli 1932, © bpk - Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte

2016 Georgij Petrussow (1903-1071)

2016 ermöglichte das Thomas-Friedrich-Stipendium für Fotografieforschung dem Fotografen Arwed Messmer die Erarbeitung eines Folianten (55 cm x 41,5 cm x 1 cm) mit dem Titel „AM_Berlin_Revisited_Petrussow_2016“. Seine Bilder in diesem Künstlerbuch sind auf Straßen und Plätzen entstanden, auf denen der berühmte russische Fotograf Georgij Petrussow 1945 das zerstörte Berlin fotografiert hatte. Mit der außergewöhnlichen Präsentationsform (25 Bilder Messmer reagieren auf 25 Bilder von Petrussow) bezieht sich A. Messmer auf dessen Marquette „Berlin 1945“, die sich im Besitz der Berlinischen Galerie befindet.

Georgij Petrussow, Berlin, Mai 1945 © Alex Lachmann
Georgij Petrussow, Auf einer Straße in Berlin am 1. Mai 1945 © Alex Lachmann
Georgij Petrussow, Ruinen, Berlin Anfang Mai 1945 © Alex Lachmann

2017 Heinz von Perckhammer (1895-1965)

Gegenwärtig erforscht die Stipendiatin Kathrin Schönegg von Perckhammers „Berliner Zeit“(1927-1944). Bereits 1918 gründete er in Tianjin/China ein Fotoatelier und dokumentierte teilweise im Auftrag des chinesischen Staates die Kultur und Lebensweise des Landes. 1927 kam er nach Berlin, eröffnete am Kurfürstendamm das Fotoatelier „Photo-Art-Studio“ und publizierte u.a. seine Aufnahmen aus China in dem Buch „Edle Nacktheit in China“. Nach 1933 arbeitete er vor allem als Fotoreporter für Magazine in Deutschland, England und Frankreich. Im 2. Weltkrieg war von Perckhammer Kriegsberichterstatter. 1942 wurde sein Berliner Atelier durch Bomben zerstört. Gegen Ende des Krieges kehrte er in seine Geburtsstadt Meran/Italien zurück und widmete sich dort vor allem der Landschaftsfotografie.

 

Berlinische Galerie

Landesmuseum für Moderne
Kunst, Fotografie und Architektur
Stiftung Öffentlichen Rechts

Alte Jakobstraße 124–128
10969 Berlin

bg@berlinischegalerie.de

Tel +49 (0)30-789 02-600
Fax +49 (0)30-789 02-700

Öffnungszeiten

Mittwoch–Montag 10:00–18:00 Uhr

Geschlossen am 24.12
Geöffnet am 25.12. und 26.12.2017 (10 bis 18 Uhr)
Geschlossen am 31.12.2017
Geöffnet am 01.01.2018 (10 bis 18 Uhr)

EINTRITTSPREISE

Tageskarte 10 Euro
Ermäßigt 7 Euro (gilt auch für Gruppen ab 10 Personen)
Jeden ersten Montag im Monat 6 Euro

Freier Eintritt bis 18 Jahre

Ermäßigung bei Vorlage eines Tickets des  Jüdischen Museums Berlin am Tag des Erwerbs und an den zwei folgenden Tagen. Dieses Angebot gilt auch umgekehrt.

Orientierungsplan

Plan als PDF